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Gut Havichhorst: Die Pacht ging einst an den Bischof

 
MÜNSTER: Mehr als 1000 Jahre ist die Geschichte des Gutes Havichhorst alt – der 30-jährige Krieg, die Wiedertäufer und die Säkularisation haben ihre Spuren in seiner Geschichte hinterlassen. Seit genau zehn Jahren beherbergt es das Seminar- und Tagungszentrum.

Als im Jahr 1032 Bischof Siegfried von Münster die Handorfer Höfe aufzeichnen lässt, ist darunter auch „Hauokhurst“, Havichhorst. Aber bereits vor dem Eintrag in die Urkunde hat das Gut Jahrzehnte, vielleicht sogar Jahrhunderte existiert. Es gehört zu den ältesten Siedlungplätzen im Münsterland.

 
Habicht im Wappen

Der Name des Gutes gibt noch heute Hinweise darauf, in welcher Landschaft es gestanden hat: Die Silbe „horst“ bezeichnet einen dichten Wald, „havic“ oder „havich“ den Habicht, der einmal im Himmel über dem Siedlungsgebiet seine Kreise gezogen haben muss. Der Habicht ist auch bis heute im Wappen des Gutes und der Eigentümerfamilie Hovestadt.

Das Gut und die angeschlossene Mühle gehörten zunächst dem Bischof von Münster. 1318 verkaufte er diesen Besitz mitsamt Mühle, Zolleinnahmen und weiteren Rechten und Einnahmequellen für 300 Mark. Und zwar „wegen der augenblicklichen Not, die unsere Kirche und Diözese bedrängt vonseiten des Grafen und der Mark und seiner Helfershelfer“. Das Gut geht an den Domdechanten.

Seine Bewirtschaftung übernimmt der Schulte Havichhorst. Für Mühle und Hof muss er um 1615 240 Taler pro Jahr zahlen, drei Schweine, zwei Hammel und „so viel Stroh, als zu zwei Pferden per annum zu stroyn (streuen) nötig ist“, heißt es in einem Schriftstück. In der Zeit des 30-jährigen Krieges 1618 bis 1648 kommen ein Hut Zucker, Butter und Käse „zu den vier hochzeitlichen Festen“ Ostern, Pfingsten, Mariä Himmelfahrt und Weihnachten hinzu.

Als 1534/35 die Täufer in Münster an die Macht kommen, schließt sich ihnen auch der Schulze zu Havichhorst an. Bernd Schulte Havichhorst zählt zu den zwölf Ältesten des Täuferkönigs Jan van Leiden. Als bischöfliche Truppen das Täuferreich zurückerobern, kommt er vermutlich ums Leben. Seine Familie muss das Gut verlassen. Es gehört bis zur Verstaatlichung des kirchlichen Besitzes 1803 wieder zur Domdechanei.

 
16 414 Reichstaler

1831 gelingt es Franz Joseph Hovestadt, den Hof mit 247 Morgen Ackerland, fünf Morgen Gärten, 18 Morgen Fischerei, 358 Morgen Heideland, dem alten Hofgebäude, Scheunen und einer heruntergekommenen Mühle für 16 414 Reichstaler, 28 Silbergroschen und genau zwei Pfennig zu kaufen. Die Hovestadts sind noch heute im Besitz des Gutes, bewirtschaften es aber von einem benachbarten Hof aus. Seine Gebäude vergeben sie Mitte der 90er Jahre in Erbpacht an die Stiftung Westfälische Landschaft. Genutzt werden sie heute als Tagungszentrum und für die Westfälische Reit- und Fahrschule.

VON KATJA BÜHREN
Veröffentlicht am 28.08.2008 in der 'Münstersche Zeitung'


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